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Investieren St.Galler Pensionskassen in fossile Energien?

Klimapolitik ist momentan in aller Munde. In Paris wurde darüber debattiert in welchem Mass und mit welchen Mitteln eine Eingrenzung der globalen Erwärmung erfolgen soll. Ein Abkommen wurde gefunden, jetzt ist die konkrete Arbeit gefragt. Auf der wissenschaftlichen Seite und auf der Konferenz ist man sich einig, dass eine Überschreitung  von durchschnittlich 2°C globaler Erwärmung zu unvorhersehbaren Naturkatastrophen führen wird. Diese Ansicht vertritt auch David Bresch, Swiss-Re Direktor, mit seiner Voraussage, dass bei einer höheren Erwärmung mit Schäden zu rechnen ist, die nicht mehr versicherbar sind (Wochenzeitung, 26. November 2015). Für die Jungen Grünen St. Gallen ist klar, dass dieses Ziel nur erreicht werden kann, wenn wir so schnell wie möglich von den fossilen Energieträgern loskommen. Eine Studie der britischen Carbon Tracker Initiative weist nach, dass die weltweit gehaltenen fossilen Reservebestände so gross sind, dass sie bei deren Verbrennung, das für das 2-Grad-Ziel verträgliche Mass an CO2-Emissionen um das fünffache übersteigen. Konkret bedeutet dies: wenn alle Öl-, Gas- und Kohlevorkommen, welche heute bereits erschlossen sind auch tatsächlich für die Deckung unserer Konsumbedürfnisse eingesetzt werden, werden wir bald nicht zwei sondern acht oder zehn Grad Erwärmung erreichen.  Nach UN-Schätzungen gibt es heute bereits 22 Millionen Klimaflüchtlinge. Bis ins Jahr 2050 wird mit einer Zahl von 250 Millionen gerechnet. Vielleicht kommt es dann in der Schweiz tatsächlich zu einem Asylchaos.

Die Energiewende stellt deshalb einer der wichtigsten politischen Traktanden in den kommenden Jahren dar.  Als eine der wirksamsten Massnahmen kann die öffentlichen Hand dafür sorgen, dass in fossile Energien investiertes Kapital von dort abgezogen wird. Auf die Anlagen der öffentlichen Pensionskassen kann dabei direkter Einfluss genommen werden. Die Grünen und Jungen Grünen St. Gallen haben deshalb im Kantonsrat bzw. im Stadtparlament einen Vorstoss eingereicht, der Transparenz über die Anlagepolitik der städtischen Pensionskasse in Bezug auf die Förderung von fossilen Energien bringen soll. Die Forderung hinter diesen Vorstössen ist natürlich klar eine gesetzliche Regelung für ein sogenanntes Divestment. Das bedeutet die Trennung von Aktien, Anleihen und Investmentfonds, welche einer ökologischen, ökonomischen und sozial nachhaltigen Anlagepolitik entsprechen.

Gemäss einer Bafu-Studie gibt es gegen ein solches Divestment auch keine finanzpolitischen Argumente. Ein Umstieg der Investitionen auf klimafreundliche Unternehmen ist „ohne grössere Folgen in Bezug auf Risiko und Diversifikation möglich“. Wenn an der Klimakonferenz in Paris politische Massnahmen zur Eingrenzung beschlossen werden, könnte es sogar gut möglich sein, dass die Anlagen in fossile Energien in Zukunft zu grösseren Verlusten führen. Der Respekt vor einer Carbon Bubble, bei der spekulative Börsenkurse von Energieunternehmen abstürzen weil sie ihre Reserven aufgrund von politischen Entscheidungen nicht mehr verwerten dürfen, ist im  Finanzsektor schon seit Längerem ein Thema. Diese Thematik wird in den Vorstössen mit der Frage inwiefern dieses Risiko in der Anlagepolitik berücksichtigt wird, ebenfalls aufgegriffen. Mit der konsequenten Einhaltung von ökologischen Richtlinien würden wir ein klares Zeichen für eine lebenswerte Zukunft setzen und weitere Pensionskassen und Banken dazu animieren diesem Beispiel zu folgen. Die Jungen Grünen St. Gallen sind nun gespannt auf die Antwort der kantonalen und der städtischen Regierung und hoffen damit eine Diskussion, die die internationale Klimapolitik auf die lokale Ebene herunterbricht, anzuregen.

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