Sexuelle Selbstbestimmung gehört in den Schulunterricht!
Die Kantonsschule Menzingen entlässt eine Lehrerin, weil sie im Unterricht über weibliche Sexualität spricht, obwohl die Schüler*innen die Lektion sehr positiv erlebten. Die Junge Alternative und die Juso Zug solidarisieren sich mit der Lehrerin und den Schüler*innen. Wir fordern eine externe Überprüfung und Aufklärung der Entlassung der Lehrperson wie auch die Aufnahme von sexueller Selbstbestimmung als Teil des Schulunterrichtes. Zusätzlich sollen in Zukunft die Wünsche und Meinungen von Schüler*innen ernst genommen werden.
Selbstbefriedigung, sexuelle Selbstbestimmung und weibliche Lust sind noch immer Tabu. Aus eigenen Erfahrungen wissen wir, dass an den Zuger Schulen zum Thema Sexualität nicht viel mehr als die biologischen Grundlagen gelehrt werden. Für die Entwicklung von jungen Menschen zu sexueller Selbstbestimmung und Selbstfindung ist eine zeitgemässe Thematisierung im Unterricht zentral.
Wir begrüssen, dass die betroffene Lehrerin genau dies versucht hat und verurteilen die Schulleitung, die durch ihre fragwürdig begründete Entlassung die Tabuisierung dieser Themen weiter verstärkt. Die betroffene Lehrerin hätte ihre «Rolle als Lehrperson» durch zu private Themen verletzt. Dieses Rollenverständnis aber ist höchst fragwürdig. Was ist falsch daran, wenn eine Lehrperson eine vertrauensvolle Atmosphäre schafft, bedeutungsvolle Inhalte vermittelt und auf einer konsensbasierten Ebene Tabu-Themen angeht? Wenn persönliche Erfahrungen aus den Klassenzimmern ausgeklammert werden, schadet das der Lernatmosphäre, schränkt den Erkenntnisgewinn ein und der schulische Nutzen wird in Frage gestellt. Non scholae sed vitae discimus.
Wir kritisieren ausserdem ein Schulsystem, das systematisch Meinungen von Schüler*innen ignoriert. Es gibt kaum Möglichkeiten für Schüler*innen sich an der inhaltlichen Gestaltung des Unterrichts zu beteiligen. Genauso wird die Sicht von Schüler*innen auf Lehrpersonen weitgehend übergangen. Die Schüler*innen in Menzingen wurden nie nach ihrer Sicht gefragt. Schlimmer noch, die Lehrerin wurde entgegen der Meinung der Schüler*innen, welche sich mit einem offenen Brief an die Schulleitung für die beschuldigte Lehrerin einsetzten, entlassen.
Wir, die Junge Alternative und Juso Zug fordern eine externe Überprüfung und Aufklärung der Entlassung der Lehrperson. Ebenfalls fordern wir von den Zuger Schulen einen Aktionsplan, wie sie sexuelle Selbstbestimmung in Zukunft in die Bildung einfliessen lassen und gegen das Tabu ankämpfen. Ausserdem sollen Zuger Schulen künftig partizipative Institutionen sein, in denen Schüler*innen zugehört wird und ihre Wünsche und Meinungen ernst genommen werden.

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Delia Meier
Co-Präsidentin Junge Alternative Zug
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meierdelia@gmail.com
Jana Kürzi
Co-Präsidentin JUSO Zug
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jana98@datazug.ch
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