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NEIN! zur Initiative "Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache"

Vera Burtscher, 19.01.2014

Die Initiantinnen und Initianten der Volksinitiative „Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache“ argumentieren vordergründig mit der Senkung von Kosten im Gesundheitswesen und der Abtreibungszahlen. Vielmehr sieht sich man jedoch mit der Frage konfrontiert, ob eine Abtreibung moralisch und ethisch vertretbar ist. Diese Frage ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst und bis heute wurde keine Antwort darauf gefunden. Die Frage, ob der Schutz der Autonomie der Frau (Pro Choice) oder das Recht auf Leben des ungeborenen Kindes (Pro Life) stärker gewichtet wird, ist die persönliche Entscheidung jeder Einzelnen. Mit der Annahme dieser höchst fragwürdigen Initiative wird jedoch der schwangeren Frau die ethische Einstellung einer (abstimmenden) Mehrheit aufgezwungen. Ihr wird somit das Recht auf Selbstbestimmung in dieser äusserst schwierigen Lebenssituation vollkommen entzogen. 

 

Initiative verursacht schwerwiegende Probleme
Wir leben in einer demokratischen Gesellschaft, in welcher man Toleranz üben und dem Einzelnen die Selbstbestimmung nicht nehmen sollte. Mit der Fristenregelung wurde ein rechtlicher Rahmen geschaffen, welcher jeder Frau den freien Entscheid zu einem legalen, kostenlosen und fachgerecht durchgeführten Schwangerschaftsabbruch ermöglicht.

Wird die Abtreibungsfinanzierung aus der Grundversicherung der Krankenkasse gestrichen, können finanziell schwache Frauen in die Illegalität gedrängt werden. Auf diversen Websites kann man die Abtreibungspille für etwa 100 Franken nach Hause bestellen. Es ist bekannt, dass in vielen Fällen unter diesen Umständen der Abbruch (zu) spät erfolgt und damit ein erhebliches Gesundheitsrisiko für die Betroffene darstellt. Eine Studie veröffentlichte, dass mehr als jede zehnte Frau nach einer illegalen Abtreibung einen chirurgischen Eingriff benötigt. Die Folgekosten der Krankenkassen für einen solchen Eingriff sind enorm. Damit ist das Argument der BefürworterInnen bezüglich der Kostensenkung im Gesundheitswesen wertlos.

 

Ungerechtfertigter Tötungsvorwurf
Im Kampf um die JA-Stimmen fällt immer wieder das Wort „Tötung“. Die Problematik des Schwangerschaftsabbruchs kann nicht damit benannt werden, denn es handelt sich nicht um eine aggressive Handlung gegenüber einem Menschen. Vielmehr wächst der Embryo in vollständiger Abhängigkeit im Körper einer Frau. Frauen treffen eine solch schwere Entscheidung nicht mit dem Gedanken, ein Tötungsakt zu vollbringen. Sie sollen deshalb nicht gezwungen werden ein Kind zu haben, wenn sie dazu nicht in der Lage sind.

 

Nein zum Angriff auf das Solidaritätsprinzip
Des Weiteren wird mit der Gewissensfreiheit des Prämienzahlers und der Prämienzahlerin argumentiert. Es stellt sich die Frage, ob in einigen Jahrzehnten auch die rauchenden, übergewichtigen, alkoholabhängigen und Extremsportbetreibenden Menschen aus der Grundversicherung der Krankenkasse ausgeschlossen werden. Ist dies im Sinne der Schweiz, welche gerne als „weltoffen“, „tolerant“  und vor allem „neutral“ angesehen werden möchte?

Ich möchte in einer Schweiz leben, in welcher wir solidarisch miteinander umgehen und auch bei schwierigen ethischen Fragestellungen Toleranz gegenüber unseren Mitmenschen walten lassen. Aus dem Grund lehne ich diese Initiative „Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache“ ab. 

Über die Autorin

Vera Burtscher

Vorstand Junge Grüne Kanton Luzern

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