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Schiffe versenken als Volkssport

Lena Frank, 07.10.2015

Es ist Wahlkampf. Die Zeit, in der gewisse Parteien versuchen, die Gunst der Wählerschaft auf sich zu ziehen und dabei die Anliegen der Bevölkerung vergessen. Das Zielpublikum dieser monumentalen Werbeaktion ist eindeutig: Die stimmberechtigte Bevölkerung. Die bürgerlichen Parteien gehen sogar soweit, diese gegen die Minderheit der Nicht-Wahlberechtigten auszuspielen. Ängste werden generiert, Schuldige gefunden und Lösungen feilgeboten. Dabei wird tief in die Schatzkiste der Polemik gegriffen und mit finanziellen Mitteln selbstsüchtiger Parteiführer vermengt. Dieser Teig wird mit Hilfe der Medien zu einem aufgeblasenen, schwerverdaulichen Brot gebacken und dem Volk zum Frass vorgeworfen. Wohlgenährt und träge, spuckt die Mehrheit die verinnerlichten Parolen aufs Geratewohl wieder aus. So mit Wiederkauen beschäftigt, wird das Hinterfragen vergessen. Jetzt, kurz vor den nächsten eidgenössischen Wahlen, hat die Maschinerie wieder volle Fahrt aufgenommen. Aussagen wie: ‚Die Flüchtlinge sollten bereits im Mittelmeer versenkt werden‘ schockieren nicht mehr, die Reaktionen gleichen einem Frosch in Kältestarre. Beim Lesen der Kommentarspalten und beim durchscrollen auf Socialmediaplattformen bleibt mir der Bissen im Hals stecken. Schiffe Versenken scheint zu einem Volkssport geworden zu sein. Auf Kosten der Schutzsuchenden Spiele zu betreiben, um den eigenen Geltungsdrang zu befriedigen, ist barbarisch. Ändern wir den Diskurs. Es ist an der Zeit, wieder unser eigenes Brot zu backen und dieses mit denen zu teilen, die keinen Ofen haben!

Über die Autorin

Lena Frank

Stadträtin Biel
ehem. Co-Präsidentin Junge Grüne Schweiz

Ich wurde bereits in der Kinderstube politisiert. Am Abendbrottisch fanden oft rege Diskussionen zu damals, und teils heute immer noch, aktuellen politischen Fragen statt. Die Demonstrationen gegen Bush und den Irakkrieg sind mir stark in Erinnerung geblieben. Später nahm ich mehrmals an der Jugend...

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