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Zersiedelungsinitiative - eine kurze Abhandlung

Jona Studhalter, 05.12.2018

Nachdem du diese Seite zu Ende gelesen hast, werden weitere 80 Quadratmeter Kulturland verbaut sein. Asphaltiert, zubetoniert, versiegelt, zersiedelt. Man kann nun extra schnell lesen, so dass man vielleicht nur auf 60 Quadratmeter kommt. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass in der Schweiz pro Sekunde rund 0.8 Quadratmeter Wiese verbaut wird. Schneller lesen ist also keine Lösung. Eine Lösung ist aber die Zersiedelungsinitiative. 2015 haben die Jungen Grünen ihre zweite nationale Initiative lanciert und 2016 erfolgreich eingereicht. 97'000 Unterschriften sammelten allein die Jungen Grünen, so viel wie noch keine Jungpartei je für eine Initiative gesammelt hat. Die Rezeptur für die Bekämpfung der Zersiedelung ist denkbar einfach. So wie nicht weniger Waldfläche in der Schweiz geben darf, soll es nicht mehr Baufläche geben. Für jede Fläche, die neu eingezont wird, muss an einem anderen Ort Bauland ausgezont werden. Im Gegenzug sollen nachhaltige Quartiere mit einer besseren Flächennutzung und höherer Lebensqualität gefördert werden.

 

 «Aber wegen den Zuwanderer wird alles verbaut!» ruft der kleine Patrick hinter dem Ofen hervor. Jein, beziehungsweise Nein. Die gesamte Siedlungsfläche für Wohnraum hat von 1985 bis 2009 um 44 % zugenommen. Gleichzeitig ist die Wohnbevölkerung in der Schweiz aber nur um 17 % angestiegen. Zudem haben SchweizerInnen im Schnitt grössere Wohnungen als AusländerInnen. Eine rassistisch motivierte Zuwanderungspolitik löst also nicht das Problem der Zersiedelung.

 

«Aber dann steigen die Mieten ins Unendliche» ruft noch Sebastian hinter dem anderen Ofen hervor. Die Baufläche in der Schweiz ist endlich. Sobald alles verbaut wurde, stehen wir vor dem gleichen Problem, wir zögern es aktuell nur heraus und stehen nachher einfach ohne Grünfläche da. Mit der Zersiedelungsinitiative wird das Problem der steigenden Mieten nicht gelöst, aber es muss angepackt werden. Schuld an hohen Mietpreisen ist nicht der Landschaftsschutz, sondern profitgierige Immobilienhaie. Und glauben wir nicht irgendwelchen Bürgerlichen, die plötzlich mit Mietschutz argumentieren. Lassen wir die Wölfe im Schafspelz auf der Wiese.

Jetzt heisst es die Chance zu packen und mit dieser Initiative unser Kulturland, unsere Grünflächen und unsere Naherholungsgebiete in die Verfassung zu schreiben. Sorgen wir mit einem JA am 10. Februar dafür, dass auch unsere Kinder noch wissen, woher die Milch kommt. Lebendige Quartiere mit Grünflächen und kurzen Strecken sind die Zukunft. Nicht stundenlang im Stau stehen, bis man in Oberpfupfikon in einem Einfamilienhausquartier alleine aus dem Fenster schaut und kein Grün mehr sieht, weil von Genf bis St. Gallen alles verbaut wurde. Das waren 80 Quadratmeter davon.

Über den Autor

Jona Studhalter

Co-Präsident Junge Grüne Kanton Luzern
Vorstand Junge Grüne Kanton Luzern

Jona Studhalter, geb 1995, gelernter Koch. Seit Herbst 2011 ist er aktiv um die Jungen Grünen frecher, kreativer und spannender zu machen. In der schweizer Umwelt- und Sozialpolitik gibt es noch viel zu verbessern.

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