Kommentar zu Weltwoche Nr.19 2012 „Die vergessene Eiszeit“
Wie von der Weltwoche nicht anders erwartet, vermischt Sie in ihrem Artikel „Die vergessene Eiszeit“ gekonnt Halbwissen mit Unwahrheiten. Mit ausgewähltem Weglassen von wichtigen Fakten und gut platzierten populistischen Schlagwörtern, kommt sie so zu einen Schluss, welcher die rechte Politik rechtfertigt und Klimaskeptikern Aufwind verschaffen sollte.
In den 1970 postulierten Klimawissenschaftler eine globale Abkühlung, falls die Schwefeldioxid-Emissionen nicht reduziert werden. Dies steht allerdings keineswegs im Widerspruch zur heutigen Klimadebatte.
Wenn wir die Temperaturkurve des letzten Jahrhunderts anschauen, sehen wir den erwähnten, deutlichen Knick zwischen 1945 und 1975 (NRC 2006). Dies ist, wie von Alex Reichmuth richtig erläutert, auf „Schmutzteilchen“ in der Atmosphäre zurückzuführen. Diese absorbieren einen beträchtlichen Teil der UV Strahlung und kühlen dadurch die bodennahe Luft ab. Der erwähnte Wissenschaftler Prof. Murray Mitchell hat im erwähnten Bericht ebenfalls erklärt, dass die globale Abkühlung stoppen und in einer Erwärmung enden wird, wenn die Emissionen reduziert werden oder CO2-Emissionen den Treibhauseffekt verstärken.
Aber diesen Abschnitt hat die Weltwoche bereits nicht mehr gelesen. Mitchell hat die Notwendigkeit der Schwefeldioxid-Reduktion aufgezeigt und gilt als Wegbereiter der verbesserten Luftqualität (Murray Mitchell 1971). Die Wissenschaft war und ist sich einer Meinung. Die Industrie entwarf 1973 den Fahrzeugkatalysator, die Politik hat 1986 gehandelt und ihn für obligatorisch erklärt.
Die Jungen Grünen sehen hier keinen Bankrott der Wissenschaft. Im Gegenteil handelt es sich um seriöse Forschung und eine Bestätigung der grünen Politik. Das Problem wurde erkannt und von Politikern ernst genommen. Das Resultat sind deutliche Verbesserungen der Luftqualität und eine starke Abnahme von Lungenkrankheiten seit 1980.
In der Temperaturkurve kann man ab 1980 erkennen, dass die Erwärmung schneller voranschreitet, da der Effekt der globale Abkühlung von den steigenden Treibhausgas-Konzentrationen kompensiert wird. Herr Reichmuths letzter Satz, in welchem er behauptet, seit 2000 habe sich die Erde nicht weiter erwärmt, ist schlicht falsch. NOAA, ESA, NASA, IPCC und viele andere Institutionen mit einem umfassenden Messnetz, bestätigen die ungebremste Erwärmung. Die acht wärmsten Jahre seit 1880 sind alle zwischen 2000 und 2008 (NASA 2008).
Wie die Weltwoche richtig festgestellt hat, wiederholt sich nun die Geschichte. Die grosse Mehrheit der Klimawissenschaftler haben die anthropogenen Treibhausgasemissionen als Problem erkannt und dies auch stichhaltig belegt. Sie fordern von der Politik Handlungen. Die Politik und die Wirtschaft müssen nun Ihre Verantwortung den späteren Generationen gegenüber endlich wahrnehmen und verbindliche CO2-Reduktionen durchsetzten.
Aus der Geschichte sollte man lernen, vor allem wenn sie sich wiederholt. Wir haben einmal auf die Wissenschaft gehört und es hat uns geholfen. Wir sollten es wieder tun.
Lukas Oesch
Leiter der AG Klima Zürich

Referenzen:
Surface Temperature Reconstructions for the last 2000 Years, National Reseach Council of the National Academies (NRC), Washington D.C. 2006
The Effects of Atmospheric Aerosols on Climate with Special Reference to Temperature near Earths Surface, J. Murray Mitchell 1971, Journal of applied Meteorology
GISS Surface Temperature Annalysis (NASA) , Goddard Institute of Space Studies 2008
Bild von IPCC AR4, 2007


Irène Kälin, 25, studiert Islam- und Politikwissenschaften an der Uni Zürich. Sie ist seit 2011 im Vorstand der Grünen Schweiz und seit 2010 Grüne Grossrätin im Aargauer Grossen Rat. Zudem war sie bei den Nationalratswahlen 2011 Listenführerin der Jungen Grünen Aargau. Ganz besonders liegt ihr am Herzen; von den Diskussionen über das breite Dach der Grünen und von der Strömungsdebatte weg zu kommen und wieder näher zusammen zu rücken. Zu dieser Vielfalt sollten und müssen auch die Jungen Grünen gehören, die mit Irène Kälin eine kompetente Vertreterin gefunden haben. Durch ihre Arbeit in verschiedenen Sparten der Partei bringt sie wichtige Voraussetzungen mit: Grüner Teamgeist und Kenntnis der politischen Agenda. Als von AKWs umgebene Aargauerin ist sie besonders mit Majak und der daraus resultierenden Problematik der Uranwiederaufbereitung, Uranimporte und Intransparenz der Lieferketten vertraut. Daneben widmet Irène Kälin ihr politisches Engagement auch der Sozial- und Migrationspolitik. Auf kantonaler Ebene hat sie z.B. eine Postkartenaktion gegen die Ausschaffungsinitiative und den Gegenvorschlag organisiert und koordiniert. Durch ihr Studium ist sie kompetent, in Fragen, die das Zusammenleben von verschiedenen Kulturen und Religionen betreffen. Kälin ist als Teilnehmerin einer parlamentarischen Delegation aus sieben europäischen Ländern, die durch das CEPR (Council for European-Palestinian Relations) einberufen und durchgeführt wurde, im Oktober 2010 in die palästinensische Westbank und nach Amman gereist und pflege noch immer Kontakte zu politischen Kräften und Organisationen in Palästina. Im Moment beschäftigt sich Irène Kälin mit dem Wahlkampf für die anstehenden Aargauer Grossratswahlen
